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Hausärzteversorgung
besonders im ländlichen Raum sehr wichtig
JU Kreisverband
Straubing-Bogen informiert sich beim Kreisvorsitzenden des Bayerischen
Hausärzteverbandes |

Die stellv. Kreisvorsitzenden Sebastian Riesner
und Andrea Probst und JU-Kreisvorsitzender Herbert Lichtinger zusammen mit dem
Referenten
Allgemeinarzt Johann Ertl (v.l.n.r.).
Oberpiebing. In der
vergangenen Woche informierte sich der Kreisausschuss der Jungen Union
Straubing-Bogen über das Thema „Hausärzteversorgung im ländlichen
Raum“. Als Referent konnte der Allgemeinarzt Johann Ertl aus Salching
gewonnen werden. Er ist Vorsitzender im Kreisverband des Bayerischen Hausärzteverbandes
im Landkreis Straubing-Bogen.
Zahlreiche Interessierte der JU
waren nach Oberpiebing gekommen um dem Referat beizuwohnen und sich über die
Thematik zu informieren. JU-Kreisvorsitzender Herbert Lichtinger nannte zu
Beginn der Veranstaltung die Probleme bei der Hausärzteversorgung im ländlichen
Raum als einen Mitgrund für das schlechte Abschneiden der CSU bei den
vergangenen Landtagswahlen, nicht zuletzt deshalb möchte man sich nun
intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.
In seinem Vortrag betonte der
Arzt Johann Ertl, dass bereits im Laufe des Jahres bei mehreren Großveranstaltungen
der Hausärzte auf deren schwierige Situation aufmerksam gemacht wurde. Neben
der Honorarmisere sei es vor allem der bürokratische Aufwand, der vielen Hausärzten
zu schaffen mache, so der Referent. Wenn nun aufgrund des Gesundheitsfonds ab
01.01.09 jede Krankenkasse in Deutschland den gleichen Beitragssatz verlange,
so trage dies, seiner Meinung nach nicht zu einer Verbesserung des Systems
bei. Allein die Schaffung einer Superbehörde zur Abwicklung der
Verwaltungsaufgaben des Gesundheitsfonds kostet 1 Mrd. Euro.
Ertl zeigte den JU-Mitgliedern
auch auf, wie sich die Einkommenssituation vieler Hausärzte momentan
darstelle und verdeutlichte, dass die Bezahlung ein Hauptgrund dafür sei,
dass immer weniger Ärzte als Hausärzte tätig werden wollen. Am Beispiel
eines Gesundheits-Check-Ups zeigte er auf, dass ein Patient für die Teilnahme
an einem ärztlichen Gesundheits-Check-Up von der Krankenkasse oft mehr Geld
als Bonus gutgeschrieben erhalte, als der Arzt dabei selbst verdient. Dies sei
nicht der gerechte Weg, so Ertl.
Er erläuterte anschließend den
interessierten Zuhörern auch die Problematik der Zwangsmitgliedschaft von Ärzten
in der KVB (Kassenärztliche Vereinigung). Die KVB ist neben der
Abrechnungsabwicklung zwischen Kassen und Ärzten auch für die Sicherstellung
einer wohnortnahen Ärzteversorgung zuständig.
Ertl äußerte die Befürchtung,
wenn nicht weiter gegengesteuert wird, dass dann bis in 10 Jahren keine
Hausarztpraxen mehr bestünden, sondern die gesamte ambulante Versorgung über
sog. MVZs (Medizinische Versorgungszentren) abgewickelt würde. Diese MVZs
sind Großpraxen, die meist nur in größeren Städten, oft in Krankenhausnähe,
die ambulante Versorgung anbieten. Die Betreiber dieser MVZs sind meist börsennotierte
Großkonzerne, wie etwa die Rhönkliniken. Im Gegensatz zum jetzigen
Hausarztmodell kennt man dort die Patienten nicht persönlich, sondern ein
Patient zieht lediglich eine Nummer, um in der jeweiligen
Behandlungsreihenfolge vom nächsten frei werdenden Arzt behandelt zu werden.
Die Hausbesuche würden in diesem Szenario dann von Krankenschwestern übernommen,
die nach einer Zusatzausbildung die Betreuung der Patienten daheim übernehmen.
Der Referent ging danach noch auf die Lobby der Pharmaindustrie ein und
verdeutlichte am Beispiel des SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach, wie Politik
und wirtschaftliche Interessen leicht verquickt werden können. Lauterbach, so
der Referent sei nämlich nicht nur SPD-Gesundheitsexperte, sondern auch
Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken.
Auf den Landkreis
Straubing-Bogen bezogen erläuterte der Kreisvorsitzende des Hausärzteverbandes,
dass das Durchschnittsalter der Hausärzte bei 52 Jahren liege und dass von
den 56 Hausärzten im Landkreis 37 Ärzte über 50 Jahre sind.
Der Referent betonte anschließend,
dass sich die CSU in den letzten Monaten zwar merklich für eine Verbesserung
der Hausärztesituation eingesetzt hat, aber diese Maßnahmen noch nicht
ausreichen würden, vor allem ein weiterer Bürokratieabbau sowie eine bessere
Bezahlung der Hausärzte seien mittelfristig erforderlich um die Problematik
in den Griff zu bekommen.
Stellv. JU-Bezirksvorsitzender
Sebastian Riesner betonte in der anschließend Diskussion, dass es wichtig
sei, dass sich die JU gerade auch im Landkreis Straubing-Bogen der Hausärzteversorgung
annimmt und regte an, dieses Thema auch innerhalb CSU weiterhin in die
Diskussion mit einzubringen. Der Referent Johann Ertl stimmte ihm dabei zu,
als er sagte, dass die Zukunft im Gesundheitssystem darin liegen werde, dass
man sich, ähnlich wie in der Automobilversicherung zwischen Vollkasko- und
Teilkasko-Schutz entscheiden müsse, damit das System überhaupt finanzierbar
bliebe.
Im Laufe des Abends wurde auch
beschlossen, dass sich die JU im kommenden Jahr vor allem mit den Themen
Bildung, Rechts- und Linksextremismus und Modernen Verwaltungsstrukturen
im Rahmen von Projektgruppen beschäftigen wird. Die stellv. Kreisvorsitzende
Andrea Probst machte den Vorschlag, im Kreisverband im neuen Jahr auch das
Thema „Integrierten Rettungsleitstelle“ und deren Bedeutung für den
Landkreis intensiv zu bearbeiten. Zudem wurde beschlossen, dass man sich bei
der traditionellen JU-Klausurtagung im März 2009 in Gneißen über den
Donauausbau informiert.
Dezember 2008