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Podiumsdiskussion
mit der bayerischen
Justizministerin Dr. Beate Merk |

Bei der Podiumsdiskussion: JU-Kreisvorsitzender
Straubing-Bogen
Herbert Lichtinger, MdL Josef Zellmeier, Justizministerin Dr. Beate Merk
und JU-Kreisvorsitzender Straubing-Stadt Michael Hien

Die Justizministerin im Gespräch mit
Mitgliedern
aus dem JU-Kreisverband Straubing-Bogen
"Die Justiz kann den Kampf
gegen Jugendgewalt nicht alleine führen." Dies betonte die bayersiche
Justizministerin Dr. Beate Merk auf einer Podiumsdiskussion am Montagabend im
Hotel Asam. Eingeladen hatten die beiden Kreisverbände der Jungen Union
Straubing-Stadt und Straubing-Bogen, um brandheiße Themen wie
Jugendkriminalität, Alkoholmissbrauch und Prävention zu diskutieren.
Einen aktuellen Rahmen bekam die
Diskussionsrunde durch den Fürther U-Bahn-Vorfall vom vergangenen Wochenende,
an dem ein Jugendlicher einen 34-jährigen Fahrgast angegriffen und grundlos
krankenhausreif geprügelt hatte. Der Mann hatte dem stark alkoholisierten
15-jährigen nur seine Hilfe anbieten wollen.
Dr. Beate Merk machte in ihrem
Eingangsstatement deutlich, wie sehr man in solchen Fällen auf die Hilfe von
Überwachungskameras angewiesen sei. "Gerade hier hat sich die
Möglichkeit der Videoüberwachung als äußerst sinnvoll erwiesen, um den
Täter möglichst schnell identifizieren und fassen zu können." Auch im
Fall der Münchener U-Bahn-Schläger sei nur so ein so rasches Urteil möglich
gewesen.
Einfache Antworten und
Lösungsmöglichkeiten gebe es jedoch bei keinem Gewaltdelikt mit
Jugendbeteiligung, da die meist noch sehr jungen Täter oft nie gelernt
hätten, dass man Konflikte auch verbal lösen könne. "Das
Jugendstrafrecht mit sozialen Trainingskursen oder Arbeitsleistungen hat sich
hier sehr gut bewährt", betonte Merk.
Fakt sei auch, dass nicht die
Zahl der Gewaltdelikte zunehme, sondern die Anzahl an Mehrfach- und
Intensivtätern. "Hier müssen gezielt schärfere Strafen geschaffen
werden und dafür setze ich mich auch vehement ein." Erfolgversprechend
sei zum Beispiel die Möglichkeit der nachträglichen Sicherheitsverwahrung,
die seit letztem Jahr auch für Heranwachsende gelte. Kriminelle Jugendliche
können so künftig nach Verbüßung ihrer Gefängnisstrafe zusätzlich noch
in Sicherheitsverwahrung genommen werden.
Die Justizministerin wies darauf
hin, dass gerade auch hinter den Gefängnismauern in Bayern hervorragende
Arbeit geleistet werde. "Während der Haftstrafe erhalten viele mit der
Möglichkeit von Therapien, Sprachkursen oder Schulabschlüssen die erste
wirkliche Chance ihres Lebens. Hier müssen sie an allem arbeiten, was bisher
in ihrem Leben falsch lief." Und gerade dies sei alles andere als
einfach.
Dennoch könne die Justiz den
Kampf gegen Gewalt bei Jugendlichen nicht alleine führen. "Eltern
müssen sich wieder mehr um ihre Kinder kümmern und auch die Schulen sind
gefordert", argumentierte Merk. In der anschließenden Diskussionsrunde
stellte sich die Ministerin zusammen mit MdL Josef Zellmeier und den beiden
Kreisvorsitzenden der Jungen Union Straubing-Stadt und Straubing-Bogen,
Michael Hien und Herbert Lichtinger, den Fragen des Publikums.
Dabei wurde unter anderem
diskutiert, ob auch in Deutschland Jugendliche erst ab einem Alter von 21
Jahren Alkohol erhalten sollten, wie dies zum Beispiel in den USA der Fall
ist. Merk antwortete jedoch, dass es bereits ausreichend Gesetze gebe, die den
Alkoholmissbrauch von Minderjährigen unterbinden sollen. Außerdem trage auch
hier nicht nur der Staat alleine die Verantwortung, sondern müssten vor allem
auch die Eltern Grenzen setzen. Eine erneute Gesetzesänderung sei nicht
notwendig. Die Frage, ob es stimme, dass ein Großteil der Häftlinge in
Deutschland aus dem Ausland stamme, musste die Justizministerin bejahen:
"Dennoch muss man auch unterscheiden, ob die Inhaftierten in Deutschland
aufgewachsen oder zugewandert sind", erklärte sie. In schweren Fällen
könnten Straftäter nach ihrer Haftstrafe dann auch in ihre Heimat
ausgewiesen werden.
Eine weitere Aussage aus dem
Publikum bestritt Merk jedoch vehement: "Eltern, die ihre Kinder in Kitas
geben, tragen nicht zu deren späterer Kriminalität bei." In den
Einrichtungen seien die Kinder gut beaufsichtigt und lernten durch den Kontakt
mit Gleichaltrigen soziales Verhalten. "Mütter dürfen in keinem Fall
diskreditiert werden, nur weil sie ihre Kinder in eine Kita geben."
Bericht: Straubinger Tagblatt,
03.09.2008