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Der
Donauausbau - Zukunftsinvestition oder Naturinfarkt?
Klausurtagung des
JU-Kreisverbandes Straubing-Bogen in Gneißen |

Die
JU-Kreisvorstandschaft mit den Referenten zum Thema "Donauausbau"
am Samstag: Alfred Baumeister und Herr Schmautz
(RMD Wasserstrassen GmbH) (5. u. 6. v.r.), Klaus Hohberger (MSG eG)
(7. v.r.) und Georg Kestel (Bund Naturschutz) (8.v.r.).

CSU-Kreisvorsitzender MdB Ernst Hinsken beim
"Bericht aus Berlin"
zusammen mit dem JU-Kreisvorsitzenden Herbert Lichtinger

Gruppenfoto mit CSU-Kreisvorsitzendem und MdB
Ernst Hinsken

Die "JU"-Combo sorgte für einen
gemütlichen Abend: Tobi Feldmann,
Paul Lampert und Hansi Feldmann (v.l.n.r.)

Kreisrat Stefan Hinsken als Dirigent

Auch stellv. JU-Kreisvorsitzender Andreas
Dengler dirigierte einen Marsch

Der JU-Ortsvorsitzende Andi Aichinger aus St.
Englmar zeigte
sich als gekonnter Gstanzl-Sänger

Referent am Sonntag: Andreas Löffert,
Geschäftsführer beim Hafen Straubing-Sand
Gneißen. Das beherrschende
Thema der letzten Jahre in unserer Region wurde bei der Klausurtagung des JU-Kreisverbandes
Straubing-Bogen thematisiert: „Der Donausausbau – Zukunftsinvestition oder
Naturinfarkt“, so das Motto der zweitägigen Veranstaltung, zu der neben
Vertretern der RMD Wasserstrassen GmbH, der Main-Schifffahrtsgesellschaft
(MSG) und des ZVI Straubing-Sand auch der Bund Naturschutz eingeladen wurde.
CSU-Kreisvorsitzender Ernst Hinsken MdB berichtete traditionell über aktuelle
Themen der Bundespolitik.
JU-Kreisvorsitzender Herbert
Lichtinger stellte eingangs die Ziele der diesjährigen Klausurtagung vor und
machte klar, dass man den Donauausbau nicht einseitig, sondern aus mehreren
Blickwinkeln betrachten wolle. Es sollte ein umfassender Blick in die
Argumentation der einzelnen Akteure ermöglicht werden, der als Grundlage für
eine JU-Projektgruppe dient, die sich in den nächsten Monaten eingehend mit
der Thematik beschäftigt. Als Leiterin der Arbeitsgruppe wurde die stellv.
JU-Kreisvorsitzende Andrea Probst bestimmt.
Um mit Vorurteilen über die
Rolle der RMD Wasserstrassen GmbH aufzuräumen, stellte deren Geschäftsführer
Herr Baumeister zunächst den Auftrag der RMD heraus. Dieser, so Baumeister,
sei nicht, die Entscheidung für oder gegen eine der Ausbauvarianten
voranzutreiben, sondern die Beurteilung aus fachlicher Sicht und die anschließende
Berichterstattung gegenüber den Auftraggebern Bund und Freistaat Bayern. Doch
zunächst stellte der Referent die für den Ausbau der Donau vorhandenen
Zielsetzungen vor. So sollten unter anderem Engstellen zwischen Straubing und
Vilshofen beseitigt werden, um die Unfallhäufigkeit in diesem Bereich zu
entschärfen. Anhand von umfangreichem Anschauungsmaterial konnten sich die
rund 40 Teilnehmer über die diffizile und in der Öffentlichkeit verzerrte
Materie informieren und kritisch diskutieren. Wertfrei wurden die ursprünglich
drei Ausbauvarianten A, C/C2,80 sowie D2 vorgestellt, wobei auch die
Beurteilung der einzelnen Varianten im Raumordnungsverfahren dargestellt
wurde. Baumeister verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Finanzierung der
Maßnahme, die ursprünglich zu zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel
vom Freistaat Bayern übernommen werden sollte. Zwischenzeitlich besteht auch
die Möglichkeit, die Europäische Union in die Finanzierung mit
einzubeziehen, da die Wasserstrasse Donau als eines von 18 prioritären
Projekten eingestuft worden ist. Jedoch ist dies an Bedingungen, unter anderem
eine ganzjährige Abladetiefe von mindestens 2,50 Metern gebunden, wobei dies
bei einem Ausbau nach Variante A mit flussbaulichen Maßnahmen nicht zu
verwirklichen sei, so der Referent. Ein entsprechender Versuch in den 60-er
Jahren habe gezeigt, dass die geforderte Abladetiefe nicht erreicht werde. Mit
einem Ausbau nach Variante C 280 wurde ein Kompromiss gefunden, der sowohl ökologischen
Belangen als auch denen der Schifffahrt am besten gerecht wird. Der RMD-Geschäftsführer
verhehlte auch nicht, dass mit der Variante C280 teilweise schmerzliche
Einschnitte in die Natur vorgenommen würden, wobei diese laut
Raumordnungsverfahren ausgleichbar seien.
Landschaftsarchitekt Georg
Kestel vom Bund Naturschutz in Deggendorf zeigte den Teilnehmern die Bedeutung
der Donau im Bereich Straubing-Vilshofen auf. Da es sich hier um ein
Schnittgebiet mehrerer europäischer Gebiete handle, sei die Donau ein
Sammelbecken der Artenvielfalt, das in dieser Form andernorts nicht
vorzufinden ist. Verschiedenste Pflanzen und Tiere entwickelten mitunter
aufgrund der Fließgeschwindigkeit der Donau eine Dynamik, die durch ein
Aufstauen des Flusses nicht mehr gegeben sei. Kestel verwies speziell im
Bereich der Mühlhamer Schleife unterhalb der Isarmündung auf 115
Brutvogelarten, die sich dort zu zwei Drittel auf einem Tausendstel der Fläche
Bayerns befänden. Ebenso verhalte es sich mit Fisch- bzw. Muschel- und
Schneckenarten. Durch ein Aufstauen der Donau auch mit einem Stauwehr würde
sich die Fließgeschwindigkeit verringern, so dass dies große Veränderungen
der Fischfauna zum Negativen mit sich bringen würde. Daher, so Kestel, sei es
aus Sicht des Bund Naturschutzes nicht vertretbar, die Donau nach Variante
C/C280 auszubauen. Die einzige Alternative sei die Variante A, da damit die
geringsten Eingriffe zu befürchten seien.
Klaus Hohberger, Geschäftsführer
der MSG, dem größten Schifffahrtsunternehmen Bayerns und Vizepräsident des
Deutschen Binnenschifffahrtsverbandes stellte aus seiner bzw. aus Sicht der
Binnenschifffahrt dar, warum die Donau ausgebaut werden müsse. Anhand eines
praktischen Beispiels verdeutlichte er das Dilemma, in dem Binnenschiffer
stecken. Da bei der Aufnahme von Waren in Rotterdam noch nicht feststehe, ob
man auch durch den nicht ausgebauten Teil der Donau zwischen Straubing und
Vilshofen fahren könne, ist es, so Hohberger, problematisch gegenüber den
Kunden realistische Angebote abzugeben. Denn durch Niedrigwasser an der Donau
müsse zum Teil auf andere Transportträger wie LKW oder Bahn umgeladen
werden, um zum Kunden zu gelangen und dies ist sehr unwirtschaftlich. Dies, so
der Referent, ist umso schmerzlicher und bedauerlicher, wenn man bedenkt, dass
das Binnenschiff eigentlich das kostengünstigste Verkehrsmittel ist, aber
nicht immer genutzt werden kann. Und dabei sei der Gedanke der Umweltverträglichkeit
des Verkehrsmittels noch gar nicht herausgehoben. Hohberger kritisierte aus
Sicht eines Unternehmers die teilweise polemisch und an der Sache vorbei geführte
Diskussion, wenn unter anderem auf diversen Internet-Seiten eine Staustufe,
wie sie im Altmühltal zu finden ist, auf die Donau im Bereich
Straubing-Vilshofen projeziert wird, obwohl feststeht, dass derartige
Staustufen nicht gebaut würden. Außerdem fragte er nach der Umweltverträglichkeit
des Ausbaus nach Variante A, denn der Einbau von Buhnen erfordere einen
enormen Aufwand, vor allem im Hinblick auf den Transport der dafür benötigten
Steine.
Andreas Löffert, der Geschäftsführer
des ZVI und des Hafen Straubing-Sand stellte zunächst den Hafen Straubing-Sand
und das gesamte Industriegebiet Straubing-Sand vor. Hier ging er vor allem auf
Ansiedlungen von Unternehmen ein, durch die rund 2.300 Arbeitsplätze
geschaffen werden konnten. Mit der vor kurzem erfolgten Eröffnung des
BioCubators sei es gelungen, sich im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe
weiter zu etablieren. Mit der Ansiedlung des Pelletwerks und der Ölmühle
wurden zukunftsweisende Investoren nach Straubing geholt, deren Logistik
ebenfalls über die Wasserstrasse Donau abgewickelt wird. Das Schiff, so der
Geschäftsführer, ist der ideale Verkehrsträger für den Transport von Raps,
Holz usw. als Grundstoffen und ebenfalls für die bearbeiteten Produkte. Aus
diesem Grund warb Löffert für einen Ausbau der Donau, da der Hafen Straubing-Sand
und die angesiedelten Unternehmen von dieser Wasserstrasse leben. In den Augen
des Geschäftsführers sei es an der Zeit, endlich Entscheidungen zu treffen
und das Verfahren nochmals zu prüfen, wie dies bereits mehrmals geschehen sei
und in der Zwischenzeit rund 100 Mio. Euro verschlungen hat.
Der Tourismusbeauftragte der
Bundesregierung und CSU-Kreisvorsitzende MdB Ernst Hinsken stand des
Diskussionsteilnehmern bei seinem "Bericht aus Berlin" Rede und
Antwort. In seinem Eingangsstatement lobte er zunächst die inhaltliche
Sacharbeit, die vom JU-Kreisverband ausgeht und auch das sonstige Engagement,
das der CSU das jugendliche Element verleiht. Dabei, so Hinsken, setze er auf
die Nachwuchskräfte innerhalb des Kreisverbandes. Der Abgeordnete weckte mit
seinen Ausführungen eine rege Diskussion an, bei der alle Facetten der
Politik, vor allem im Hinblick auf die Herausforderungen im Zuge der
Weltwirtschaftskrise eingehend erläutert wurden. In diesem Zusammenhang
verwies er auf die einzelnen Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung
der seit 80 Jahren schwersten Wirtschaftskrise. In Bezug auf die Krise bei
einigen Unternehmen kommen für ihn keine Staatsbeteiligungen in Betracht,
sondern höchstens Bürgschaften, denn der Staat sei nicht der bessere
Unternehmer. Daher erteilte er auch Bestrebungen innerhalb der SPD eine klare
Absage, deren Tendenz zur Verstaatlichung von Unternehmen aktuell unübersehbar
sei. Die Probleme, die es derzeit zu bewältigen gibt, seien enorm, jedoch könne
die Krise gemeistert werden, da vor allem der Mittelstand gut aufgestellt ist.
Hinzu kommen leistungsbereite und motivierte Mitarbeiter, die es nun auch zu
entlasten gilt. Denn derjenige Bürger, der seiner Arbeit nachgeht, müsse im
Sinne von Gerechtigkeit mehr in der Tasche haben als derjenige, der Leistungen
des Staates bezieht. Die Bildungspolitik ist der Schlüssel zum Erfolg in der
Zukunft, weshalb im Rahmen des Konjunkturpaketes II umfangreiche Investitionen
in die Infrastruktur vorgenommen würden.
Die beiden Kreisräte Herbert
Lichtinger und Stefan Hinsken berichteten in Kurzform über die Arbeit im
Kreistag seit deren Wahl vor einem Jahr. Dabei stellten sie heraus, in welchem
Spannungsfeld man sich vor dem Hintergrund des Wahlprogramms einerseits und
den Herausforderungen im Hinblick auf die Wirtschaftskrise befindet. Trotzdem
stehe die Nachhaltigkeit von Entscheidungen im Vordergrund und dazu sei man
speziell als junge Generation auch verpflichtet.
Bericht: Stefan Hinsken.