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Ideen und Diskussionen auf dem Weg zur Mittelschule
JU-Kreisverband Straubing-Bogen informiert sich über
geplante Einführung der Mittelschulen


Die stellv. JU-Kreisvorsitzenden Andrea Probst, Vroni Zitzelsberger und
Sebastian Riesner zusammen mit Schulamtsdirektor Ulrich Pannermayr,
3. Bürgermeister Manfred Sieber und JU-Kreisvorsitzendem
Herbert Lichtinger (v.l.n.r.)

Kirchroth / Straubing-Bogen. Kürzlich traf sich der Kreisausschuss der Jungen Union Straubing-Bogen im Gasthof "Zur Post" in Kirchroth. Zum Thema der Sitzung "Auf dem Weg zur Mittelschule" konnte der Direktor des Schulamtes Straubing-Bogen Ulrich Pannermayr als Referent begrüßt werden. JU-Kreisvorsitzender Herbert Lichtinger freute sich über die zahlreiche Teilnahme vieler JU-Mitglieder. Er konnte neben den JU-Mitgliedern aus dem Kreisausschuss auch mehrere Mitglieder der JU Kirchroth mit Vorsitzendem Tobias Feldmann willkommen heißen. Außerdem waren Kirchroths Bürgermeister Josef Wallner, 3. Bürgermeister Manfred Sieber und CSU-Vorsitzender Dr. Hans Holzmüller (Oberzeitldorn) der Einladung gefolgt.

Das Thema Mittelschule ist momentan sehr aktuell und deshalb will es der JU-Kreisverband auch zusammen mit der JU-Projektgruppe "Bildung und Schule" mit aufgreifen. Nach einer kurzen Vorstellung der Anwesenden begann Direktor Pannermayr die Zukunft der Hauptschulen aufzuzeigen. Demnach sei aktuell von 40 Schulen und 400 Klassen, in denen 700 Lehrer zwischen 8000 und 9000 Schüler im Landkreis Straubing-Bogen unterrichten, die Rede. Das entspreche knapp 40 Prozent der Schüler im Landkreis. Von der Bezeichnung "Restschule" könne man bei diesen Zahlen nicht sprechen.

Eines der größten Probleme stelle die Entwicklung der Geburtenzahlen dar. Auf jede bayerische Frau kämen aktuell 1,4 Kinder. Somit seien innerhalb der letzen fünf Jahre 500 Grundschüler weniger in ihre schulische Zukunft gestartet, als in den Jahren davor. Diese Entwicklung wirke sich auch auf die Auslastung der weiterführenden Schulen wie die Hauptschule, die Realschule oder das Gymnasium aus.

Das Kultusministerium entwickle deswegen ein Konzept, um auch in Zukunft den Kindern eine wohnortnahe Ausbildung zu gewährleisten. Ziel sei dabei die bessere Vorbereitung der Absolventen auf den Beruf. Dies solle durch Praxistage ab der fünften Klasse, Praktika ab der siebten Klasse und Fachausbildung ab der achten Klasse erreicht werden. Die Fachausbildung werde in die drei Bereiche Soziales, Kaufmännisches und Technisches geteilt, um jeden Schüler in vollem Umfang auf seine Zukunft im späteren Berufsleben vorzubereiten. Um diese hochwertige Fachausbildung erfolgreich anbieten zu können, schlössen sich aktuell mehrere Kommunen zu Verbänden zusammen, so dass eine Schüleranzahl von etwa 500 Schüler erreicht wird. In diesen Verbänden müsste jeder Schüler die Möglichkeit haben, die für ihn passende Schulform zu besuchen.

Pannermayr sprach davon, dass jeder Schüler individuell nach seinen Fähigkeiten und Begabungen gefördert werde solle. Deswegen sei es verpflichtend, in jedem Schulverband die Form der aktuellen Regelklassen, mindestens einen M-Zug, der die Möglichkeit bietet, den Abschluss der Mittleren Reife zu erwerben, mindestens eine offene oder eine geschlossene Ganztagsschule, die die drei Fachausbildungen Sozial, Kaufmännisch und Technik mit mindestens 12 Schülern pro Klasse und die Möglichkeit bei verschiedenen Arbeitgebern ein Praktikum zu machen anbieten. Diese spezialisierten Förderungen sollten es ermöglichen, die Anzahl von etwa vier Prozent der Schüler, die ohne Abschluss in das Berufsleben starten, abzubauen.

Wesentlich für die künftige Entwicklung sei, dass sich nun mehrere Schulen aus einzelnen Gemeinden zu diesen Schulverbänden, der sogenannten Mittelschule, zusammenschließen könnten. Dies trage dazu bei, die Schulen vor Ort zu erhalten und eine optimale Bildungssituation für die Schüler darzustellen. Letztlich stünden im Mittelpunkt aller Überlegungen die Kinder. Die Namensänderung von der Bezeichnung Hauptschule zur Bezeichnung Mittelschule sei nötig, da die Bezeichnung Hauptschule mit zu vielen negativen Berichten aus anderen Bundesländern verknüpft werde und die Leistungen der Hauptschulen somit nicht die nötige Beachtung gefunden hätten.

In der anschließenden Diskussion konnte Schulamtsdirektor Pannermayr noch etliche Detailfragen der JU-Kreisausschuss-Mitglieder klären. Umgekehrt nahm er auch mehrere Anregungen für seine eigene Arbeit von der JU mit. Wichtige Punkte der Diskussion bezogen sich auf die praktische Abwicklung der Mittelschule hinsichtlich Transport der Schüler, Finanzierung, Organisation und konkrete Umsetzung vor Ort.

So wies JU-Kreisschriftführer Martin Haberl darauf hin, dass es eine wesentliche Frage sei, mit welcher Abschlussbezeichnung die Schüler künftig die Mittelschule verlassen werden. JU-Ortsvorsitzender Tobias Feldmann und JU-Kreisgeschäftsführer Daniel Schamburek merkten an, dass es notwendig sei, auch die Wahlfreiheit der Eltern bezüglich der Ganztagsbetreuung zu belassen. Es müsse immer selbst die Entscheidung der Eltern bleiben, ob die Kinder zuhause betreut werden oder im Rahmen einer Ganztagsbetreuung. Beide wiesen darauf hin, dass keinesfalls eine verpflichtende Ganztagsbetreuung für alle Kinder anzustreben sei.

Kritisch sahen die Teilnehmer auch das Übertrittsverhalten nach der Grundschule. Es sei bedenklich, wenn gerade in den Hauptschulen auch viele Rückkehrer aus Gymnasium und Realschule zu verzeichnen seien. In diesem Zusammenhang wurde es als schwierig erachtet, wenn es keine klaren Übertrittsregelungen in Form von Notendurchschnitten mehr gibt.

Abschließend legten die Mitglieder des JU-Kreisausschusses fest, dass sich mit diesen komplexen Fragestellungen nochmals detailliert die JU-Projektgruppe "Bildung und Schule" beschäftigen werde. Als Leiter der Arbeitsgruppe wurde Andreas Dengler aus Strasskirchen bestimmt. Ziel der Arbeitsgruppe sei es, die Thematik "Mittelschule" zum einen aus Sicht der jungen Generation zu betrachten und zu bewerten und zum anderen solle die Arbeitsgruppe konkrete Ansatzpunkte und Vorschläge erarbeiten, die im Landkreis Straubing-Bogen umgesetzt werden könnten.

 

Bericht und Foto: Straubinger Tagblatt, 30.10.2009, Martin Haberl.