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„Entlastungseffekt
nur 0,82 Prozent“
Vorsitzender des
Bundes Naturschutz zu Gast bei der JU Oberalteich |

Die Organisatoren zusammen mit dem Referenten:
JU-Kreisvorsitzender
Herbert Lichtinger, Bogens Bürgermeister Franz Schedlbauer, Referent
Georg Kestel vom Bund Naturschutz, JU-Vorsitzender Freddy Horn und
Stadträtin und JU-Arbeitskreis-Leiterin Andrea Probst (v.l.n.r.)
Oberalteich. (ah) „Der
Donauausbau aus der Sicht des Bundes Naturschutz“ war das Thema der überaus
gut besuchten gemeinsamen Informationsveranstaltung der JU Oberalteich und des
Arbeitskreises „Donauausbau“ des JU-Kreisverbandes Straubing-Bogen am
vergangenen Sonntag im „Historischen Klosterwirtshaus“ in Oberalteich.
Der Vorsitzende der JU
Oberalteich Alfred Horn eröffnete den Informationsabend, indem er betonte,
dass es „aufgrund der Aktualität, der absoluten Relevanz für die Bürger
und der unumkehrbaren Folgen eines Donauausbaus“ unerlässlich sei, sich
auch mit dem Bund Naturschutz und dessen Meinung zu befassen. Der JU-Kreisvorsitzende
Herbert Lichtinger ergänzte, dass die JU stets darauf bedacht sei, sich eine
objektive Meinung zu einem so wichtigen Thema wie dem Donauausbau zu bilden.
Andrea Probst, die Vorsitzende des JU-Arbeitskreises „Donauausbau“, kündigte
an, dass man sich kritisch mit den Argumenten der Befürworter und Gegner des
Donauausbaus sowie mit dem von der Grünen-Landtagsfraktion in Auftrag
gegebenen Gutachten auseinander setzen werde.
"Arche Noah", so
bezeichnete Georg Kestel die Donau, denn die Donau selbst und vor allem die
Donauauen seien Heimat für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten. 115
Vogelarten, 55 Fischarten, 144 Muschel- und Schneckenarten, viele davon auf
der roten Liste der aussterbenden Tierarten, seien abhängig vom Lebensraum
Donau. Diese Artenvielfalt sei stark gefährdet und könne trotz geplanter
Ausgleichsflächen nicht erhalten werden, würde die Donau zwischen Straubing
und Vilshofen nach den Varianten C und C280 ausgebaut werden.
Die Variante C 280 sieht eine Stützschwelle
bei Aicha und einen Durchstich durch die Mühlhamer Schleife vor. Ob es sich
bei dieser Stützschwelle um eine Staumauer oder wirklich nur um eine Schwelle
handelt, sei aus der Sicht des Bundes Naturschutz unwesentlich, da beides der
Donau die Dynamik entziehe und somit die gleichen ökologischen Folgen habe,
so Georg Kestel.
Georg Kestel und der Bund
Naturschutz präferieren daher den Stop der Ausbaupläne. Er schlug indessen
vor, die Donaubrücken, „die eigentlichen Hindernisse der Schifffahrt“ zu
heben und das Schienennetz auszubauen. Der äußerste noch mögliche
Kompromiss sei die Ausbauvariante A.
In der anschließenden sehr
kontrovers geführten Diskussion wurden einige Argumente, vor allem aber die
präsentierten Statistiken und Zahlen kritisch hinterfragt. So führte man an,
dass sich Daten teilweise nicht mit den aktuellen Daten einiger Planungsbehörden
deckten. Auch würden einzelne Fischereiverbände eine positive Entwicklung
der Fischbestände in bereits ausgebauten Donauabschnitten beobachten.
Verglichen mit dem geringen
Nutzen, seien die Kosten der Ausbauvariante A außerdem zu hoch, da mit der
Variante A die Schiffbarkeit auf der Donau nur um 20 Tage im Jahr erhöht
werden könne. Ein Ausbau des Schienennetzes ginge, wenn auch nicht in dem Maße
wie der Donauausbau, ebenfalls mit einem Eingriff in die Natur einher.
Zudem wies man auf die Vorteile
eines Donauausbaus nach der Variante C 280 hin. Neben der positiven Wirkung
auf die regionale Wirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der
Region, seien dies auch die Verbesserung der Binnenschifffahrt und damit
einhergehend eine Entlastung der Straßen. Diese Auffassungen teilte Georg
Kestel jedoch nicht. Im Gegenteil, den Berechnungen des Bundes Naturschutz
zufolge, könnten umgerechnet lediglich 131 LKW pro Tag von der Straße auf
die Donau verlagert werden. Der Entlastungseffekt auf der A3 am Zählpunkt
Hengersberg würde demnach nur 0,82 % betragen, so Georg Kestel.
Abschließend beendete Alfred
Horn die sehr rege, stets aber sachliche geführte Diskussion und bedankte
sich im Namen der JU Oberalteich bei Georg Kestel für seinen informativen und
interessanten Vortrag sowie für die Diskussion.
Bericht und Foto: Freddy Horn,
JU Oberalteich