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Kommentar
von JU-Kreisvorsitzendem Herbert Lichtinger
zur Mittelschule |
Im Labertal ist kürzlich unter
der Internet-Adresse www.derpolitische.de
eine neue Online-Plattform gestartet. Diese wird von Daniel Schamburek
betrieben.
JU-Kreisvorsitzender Herbert
Lichtinger hat hierzu einen Gastkommenator verfasst, der nachfolgend auch hier
wiedergegeben werden soll:
Die Mittelschule - eine Chance
für den ländlichen Raum
von Herbert Lichtinger
Überall ist momentan die Rede
von der Umstrukturierung der Schullandschaft. Es gibt Befürworter und Gegner,
wie wohl bei jedem Reformvorhaben.
Zunächst gilt es jedoch aus
meiner Sicht deutlich zu machen, wie die Faktenlage ist:
Allen Unkenrufen zum Trotz,
wonach die Hauptschule eine Restschule sei, überzeugen die Zahlen, wonach 40%
aller Schüler im Landkreis Straubing-Bogen eine Hauptschule besuchen. Dies
ist alles andere als eine Restschule.
Außerdem genießt die
Ausbildung an Hauptschulen in Bayern einen hervorragenden Ruf.
Andererseits jedoch wird
offensichtlich, dass aufgrund der demographischen Entwicklung und damit
aufgrund des Rückgangs der Geburtenzahlen die Zukunft der Hauptschule in so
manchem Ort, besonders im ländlichen Raum, ungewiss ist.
Zudem kommt dazu, dass viele
Eltern unbedingt von ihren Kindern erwarten, dass sie eine Realschule oder ein
Gymnasium besuchen sollen, damit sie eine scheinbar "bessere"
Ausbildung erhalten.
Angesichts dieser Situation hat
sich die bayerische Staatsregierung überlegt, welche Möglichkeiten und Wege
es gibt, um zum einen das Image der Hauptschule aufzuwerten und zum anderen
auch alle Chancen zu nutzen, um eine wohnortnahe Beschulung sicherzustellen.
So kam das Thema
"Mittelschule" in die Diskussion. Es ist bestimmt kein
Allheilmittel, wenn die bisherigen Hauptschulen nun zu Mittelschulen
umgewandelt werden, aber meiner Ansicht nach ein richtiger Weg um die
Bildungsziele zu erreichen.
Und wenn es um Bildungsziele
geht, dann steht m.E. an allererster Stelle, dass das Wohl des Kindes den
höchsten Stellenwert hat. So finde ich es im Sinne eines umfassenden
Bildungsangebotes wichtig und notwendig die Hauptschulen als Mittelschulen
weiterhin zu erhalten und zu fördern. Ein Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem
erscheint mehr als sinnvoll. Es ist mir aber auch bewusst, dass niemand die
Entwicklung in den nächsten 15 Jahren vorhersagen kann und deswegen gibt es
auch kein Allheilmittel, sondern es ist notwendig, aufgrund der momentanen
Situation eine Strategie zu verwirklichen, die hilft diese Bildungsziele zu
erreichen. Im Mittelpunkt steht hierbei, die Kinder und Jugendlichen
bestmöglichst auf den Arbeitsmarkt, vor allem aber auf ihr künftiges Leben
in der Gesellschaft vorzubereiten.
Deswegen fordern wir als JU, das
in den Mittelschulen ganz klar auch die Vermittlung von sozialer Kompetenz und
der Umgang mit Menschen sowie die Wertevermittlung einen hohen Stellenwert
haben. Eine wichtige Lotsenfunktion kommt hierbei dem Lehrer zu, dem auch eine
gewisse Flexibilität bei der Durchführung und Vermittlung der Lehrinhalte
gegeben werden solle.
Besonders dem Praxisteil ist in
der Schulausbildung in den Mittelschulen, aber auch bereits in der
Hochschulausbildung der Lehrkräfte, ein wichtiger Stellenwert beizumessen.
Die Einführung der drei Zweige:
Wirtschaft, Technik und Soziales ermöglicht eine passgenaue Vorbereitung auf
künftige Beschäftigungsfelder der Jugendlichen.
Auch der Betreuung der Schüler
in Form von Ganztagsangeboten muss Rechnung getragen werden, wobei meiner
Ansicht nach auch eine finanzielle Eigenbeteiligung der Eltern in solchen
Fällen in Betracht gezogen werden sollte. Denn Kinder, die nicht in der
Ganztagsbetreuung sind, bzw. deren Eltern sollen keinerlei Nachteile dadurch
erzielen.
Um alle diese Ziele erreichen zu
können, ist es notwendig, dass sich die bisherigen Hauptschulen zu sog.
Schulverbünden zusammenschließen, damit gewährleistet werden kann, dass
alle vorgenannten Dinge angeboten werden können.
Dadurch kann eine Schule auch
dann noch erhalten werden, wenn in einem Schuljahr eine Klasse eines Jahrgangs
nicht zustande kommt. Bisher wäre es so, dass eine solche Schule sonst
geschlossen werden müsste, dies fördert deswegen vor
allem auch dann die heimatnahe Schule vor Ort, solange dies möglich ist. Auch
wenn klar gesagt werden muss, dass ich mittelfristig davon ausgehe, dass nicht
jede Schule erhalten werden kann.
D.h. ein Transport von Schülern
zu anderen Schulen würde nur dann erfolgen, wenn keinerlei Möglichkeit
gegeben ist, dass eine Klasse am bisherigen Standort zustande kommt bzw. die
entsprechende Praxisausbildung hier nicht ermöglicht werden kann.
Die Wirtschaft muss ganz klar
aufgefordert werden, auch weiterhin den Haupt- bzw. Mittelschülern eine klare
Chance bei Praktikas zu geben, um mittelfristig auch die Möglichkeit zu
nutzen, einen potentiellen Auszubildenden kennenzulernen.
Was meines Erachtens verschärft
werden müsse, sind die Übertrittsbedingungen zu Realschule oder Gymnasium.
Hier scheint es so, dass dem
Elternwillen immer höhere Priorität beigemessen wird. Das heiße ich nicht
für gut.
Es ist so, dass momentan Eltern
nach einem Probeunterricht des Kindes an der Realschule mit dem Ergebnis Note
4 entscheiden können, ob das Kind die Realschule besuchen kann. Von der
Schule selber wird lediglich eine Übertrittsempfehlung ausgesprochen, dass
kommt meines Erachtens einer völligen Freigabe des Elternwillens gleich.
Selbiges gilt für den Probeunterreicht am Gymnasium.
Ich sehe hier zwei große
Probleme und hoffe, dass das Kultusministerium hier auch noch eine Änderung
herbeiführen wird. Mit einem entsprechenden Schreiben habe ich mich bereits
an Kultusminister Dr. Spänle gewendet.
Entweder wird durch diese
Regelung das Niveau an Realschulen und Gymnasien sinken müssen, damit man
auch Kinder zum Abschluss bringt, die normalerweise nicht für diesen
Schularten geeignet sind.
Oder aber, und das ist
mindestens genauso schlimm: Die Kinder kommen an die entsprechenden
Schularten, können dann vom Niveau hier nicht mehr mithalten, müssen
Nachhilfe nehmen, werden selber frustriert, vielleicht sogar krank, fühlen
sich einem wahnsinnigen Druck gesetzt und müssen quasi dann die Schule wieder
verlassen und sind zum ersten Mal im Leben, gerade während der an sich
schwierigen Zeit der Pubertät, frustriert und fühlen sich als Versager. Und
ob man damit einem Kind einen Gefallen tut, möchte ich bezweifeln.
Im Mittelpunkt muss das KIND und
dessen Entwicklung stehen und nicht das Schulsystem oder der Elternwille.
Ich glaube, dass die
Mittelschule nur dann erfolgreich wird, wenn diese Übertrittsregelungen
entsprechend schärfer formuliert und dann auch angewendet werden. Ansonsten
werden die Schülerzahlen an den Mittelschulen zurückgehen und die
Übertrittsquoten steigen.
Ich glaube aber auch, dass die
Mittelschule ein Erfolgsmodell werden kann und möchte hier auch dafür
werben.
Zudem gebe ich zu
berücksichtigen, dass aus Elternsicht der Abschluss an einer Mittelschule
niemals als Einbahnstrasse in der persönlichen Entwicklung gesehen werden
kann. Vielmehr ist es so, dass nach einer später abgeschlossenen
Berufsausbildung noch jegliche Chancen über eine Meisterprüfung bis hin
sogar zu einem Hochschulstudium für den eigenen Karriereweg möglich sind.
Das Schulsystem eines Landes und
dessen Ausgestaltung ist wichtig und zukunftsweisend, aber, und das gilt es
auch zu berücksichtigen, wir sollten unsere Kinder nicht bloß auf ihre
Schulausbildung reduzieren, es gibt soviele mehr Fähigkeiten unserer Kinder,
die so faszinierend sind, oder auch Dinge wie Wertschätzung und Zuneigung
deren Kinder ebenfalls bedürfen. Das sollte man in der ganzen Diskussion
niemals vergessen!
So bin ich zuversichtlich, dass
sich die Mittelschule gut entwickeln wird und wünsche mir, dass sie auch in
der Bevölkerung bestens angenommen wird und einen positiven Stellenwert
einnimmt.
Bericht: Herbert Lichtinger,
04.03.2010.