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"Jeder
soll so genommen werden, wie er ist"
Dr. Thomas Goppel
bei JU-Projektgruppe "Werte" -
Den Menschen im Blick behalten |

Bei der Diskussion mit MdL Dr. Thomas Goppel und
Sozialpfarrer Dr. Roland Batz (vorne Mitte)

Die Mitglieder der JU-Projektgruppe
"Werte" mit dem JU-Vorsitzenden in
Kirchroth Tobias Feldmann (5.v.l.), Sozialpfarrer Dr. Roland Batz (6. v.l.),
Projektgruppenleiter Daniel Schamburek (7.v.l.), CSU-Vorsitzendem in
Oberzeitldorn Dr. Hans Holzmüller (8.v.l.), MdL Thomas Goppel (10.v.l.),
Kirchroths 2. Bürgermeister Manfred Sieber (11.v.l.) und
JU-Kreisvorsitzendem Herbert Lichtinger (12.v.l.)
Straubing-Bogen / Kirchroth.
Christlich und sozial - diese Werte trägt die CSU schon in ihrem Namen.
Welche Rolle diese Werte jedoch im politischen Geschehen einnehmen,
diskutierten am Samstagnachmittag Dr. Thomas Goppel, MdL und Mitglied des
CSU-Parteivorstands sowie Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK), und
Sozialpfarrer und Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung
(KAB), Dr. Roland Batz, bei der Auftaktveranstaltung der Projektgruppe
"Werte" der JU Straubing-Bogen im Gasthaus "Zur Post" in
Kirchroth.
Die Metapher seines
Vortragsthemas "Nur Bäume mit Wurzeln wachsen in den Himmel" solle
deutlich machen, dass eine Verwurzelung in der Einstellung notwendig sei,
damit man nicht beim ersten Windstoß umfalle, erklärte Goppel seinen jungen
Zuhörern. In einer Demokratie gebe es unterschiedliche Meinungen, die
diskutiert werden müssten. "Man muss die Meinung des anderen anhören,
um zu sehen, ob man selbst richtig liegt."
Für die CSU seien die
Hauptwerte Personalität und Solidarität, der dritte ergänzende Wert die
Subsidiarität. "Die Subsidiarität ist die Hausordnung, die Hilfe zur
Selbsthilfe", sagte Goppel. Jeder habe Anspruch auf Hilfe, wenn er selbst
nicht mehr weiterkomme. "Jeder soll so genommen werden, wie er ist."
Man dürfe dem anderen nicht das Recht nehmen, anders zu sein. Daraus ergebe
sich eine Gleichheit vor dem Gesetz, aber der Unterschied im Charakter bleibe
bestehen. Die beste Lebensphilosophie sei für ihn, sein Gegenüber ernst zu
nehmen.
Auf Veränderung reagieren
Auch wenn man sich von
christlichen und sozialen Werten leiten ließe, müsse man beachten, dass sich
die Welt verändert habe wie beispielsweise das Familienleben. Diese neue Welt
gelte es zu bewerten. Der Landtagsabgeordnete sprach auch die Entwicklung des
Internets an. "Viele Menschen glauben, allein mit dem Wissen von
beispielsweise Google leben zu können, aber das ist ein Irrtum." Wichtig
sei, die Veränderungen der Welt von den Wurzeln aus zu betrachten.
Der Sozialpfarrer und
Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, Dr. Roland Batz,
untersuchte das Evangelium auf politische Züge. "Die Idee eines Reiches
Gottes ist auf die Gegenwart bezogen." Daran könne man mitbauen, wenn
man Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde schaffe. Hier lasse
sich das Politische erkennen. "Das Evangelium ist aber kein Rezept, das
man nur anzuwenden braucht und alles wird gut."
Werte nicht überholt
Ausschlaggebend sei das
Menschenbild. Als Abbild Gottes sei das Leben einmalig und die Würde
unantastbar und heilig. Ebenfalls gehörten Eigenverantwortung und die
Mitgestaltung des Gemeinwohls dazu. "Diese zentrale Messlatte soll das
Ideal sein, das nicht verschwinden darf.", so der Geistliche. Deise Werte
seien auch heutzutage keineswegs überholt. Von der CSU erwarte er, dass sie
sie nicht nur vorgebe, sondern auch danach handle, unabhängig von einer
Mehrheit oder von Wählerstimmen. Es dürfe nicht nur auf Wirtschaftlichkeit
geachtet werden, sondern der Mensch solle im Blick stehen. Ansonsten drohe
Visionslosigkeit.
Herbert Lichtinger,
Kreisvorsitzender der JU Straubing-Bogen, nannte die Wertediskussion ein
wichtiges aktuelles Thema. Bei politischen Entscheidungen solle versucht
werden, sich in die betroffenen Personen hineinzuversetzen. Von der
Überzeugung, die man vertrete, dürfe nicht plötzlich ein Rückzieher
gemacht werden, da man dadurch an Glaubwürdigkeit verliere.
Auch Daniel Schamburek, Leiter
der Projektgruppe "Werte", sagte, dass nicht ohne richtige
Überzeugung auf Stimmenfang gegangen werden solle.
Bürgermeister Josef Wallner aus
Kirchroth mahnte, Achtung vor seinem Gegenüber zu haben und sprach die
Bedingungen der Leiharbeit an. "Das war gut geacht, aber ist nicht mehr
menschenwürdig."
Der JU-Ortsvorsitzende Tobias
Feldmann freute sich, dass die Veranstaltung in Kirchroth stattfand. Der
Aufschwung in seinem Ortsverband zeige, dass die Jugend nicht zwingend
politikverdrossen sei. "Da geht noch was."
In einer anschließenden
Diskussion mit den Referenten zeigten die Jugendlichen ihre Interesse am
politischen Geschehen, vor allem zum Thema Familienpolitik.
Bericht und Fotos: Straubinger
Tagblatt, 19. April 2010.