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Hat
die Wehrpflicht noch Zukunft?
Klausurtagung der
JU Straubing-Bogen
Bericht aus Berlin von MdB Ernst Hinsken |

CSU-Kreisvorsitzender MdB Ernst Hinsken (mitte)
zusammen mit der Mannschaft der JU Straubing-Bogen bei der Klausurtagung in
Gneißen

Stellv. JU-Kreisvorsitzender Andi Aichinger
dankt dem
BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Zschiedrich für seine Ausführung zum
Zivildienst

JU-Kreisvorsitzender Herbert Lichtinger dankt
dem Bürgermeister von
Bogen Franz Schedlbauer für sein Referat über die Bedeutung der Bundeswehr
für die Stadt Bogen
Straubing-Bogen / Gneißen(vz).
Mit einem brandaktuellen Thema beschäftigte sich die Junge Union
Straubing-Bogen auf ihrer diesjährigen Klausurtagung. Die Zukunft der
Wehrpflicht ist gerade nach der Verlängerung des Afghanistanmandats der
Bundeswehr und der damit verbundenen Demonstration der Linkspartei ganz
oben auf der Agenda zu verorten.
Um auf die verschiedenen Aspekte
der Wehrpflicht hinzuweisen wurden wieder hochkarätige Referenten eingeladen,
wie z.B. der Kreisvorsitzende der FDP Straubing Mario Schieferdecker, Jochen
Schrüfer vom Bundeswehrstandort Mitterharthausen, BRK-Kreisgeschäftsführer
Jürgen Zschiedrich, und der Bürgermeister der Stadt Bogen Franz Schedlbauer,
welche die verschiedenen Aspekte der Wehrpflicht, sowie die Auswirkungen für
den Zivildienst und die Standortkommunen darstellten.
Der FDP-Kreisvorsitzende Mario
Schieferdecker stellte heraus, dass es nicht nur um die Frage gehe, ob man die
Wehrpflicht beibehält oder nicht, sondern auch darum, ob in Deutschland noch
eine Wehrgerechtigkeit gegeben ist. Schieferdecker hob hervor, dass nur noch
12% eines Jahrgangs zur Bundeswehr eingezogen werden und sieht damit den
Grundsatz der Gleichbehandlung massiv verletzt. In der momentanen Lage könne
nicht mehr von einer „allgemeinen Wehrpflicht“, sondern von einer
„gemeinen Wehrpflicht“ gesprochen werden, so Schieferdecker weiter, zumal
die Nachteile für die zur Wehrpflicht herangezogenen Jugendlichen klar auf
der Hand liegen: Gerade aus finanzieller Sicht befindet sich der
Grundwehrdienstleistende klar im Nachteil zu seinen erwerbstätigen
Gleichaltrigen. Deswegen plädierte Schieferdecker für eine Aussetzung der
Wehrpflicht, damit eine politische Entscheidung hinsichtlich des zukünftigen
Charakters der Bundeswehr getroffen werden kann. Aus Sicht der FDP, sollte die
Bundeswehr zu einer hochspezialisierten Berufsarmee umgebaut werden, um auch
in Zukunft unserer Pflicht in Krisengebieten wie Afghanistan nachkommen zu können.
Als die Wehrpflicht in Deutschland eingeführt wurde, zu Zeiten des Kalten
Krieges, waren ganz andere Voraussetzungen gegeben als heute. Im neuen
Jahrtausend sind wir von Freunden und nicht mehr von Feinden umgeben. Die von
vielen angeprangerten Mehrkosten einer Berufsarmee sieht Schieferdecker jedoch
nicht so tragisch. Zwar seien die Kosten für eine Berufsarmee zunächst höher,
indirekt aber, so der Kreisvorsitzende der FDP weiter „steigen die Einnahmen
über die Stärkung der Volkswirtschaft“. Die Ursache für die
Ungerechtigkeiten sieht Schieferdecker vor allem in der zu geringen Anzahl an
verfügbaren Dienstposten, welche dazu führt, dass nicht einmal alle
Wehrtauglichen auch wirklich eingezogen werden.
Eine etwas andere Ansicht in
Sachen Wehrpflicht hatte Jochen Schrüfer vom Bundeswehrstandort
Mitterharthausen. Er sieht im Falle der Abschaffung der Wehrpflicht in
erster Linie die im Grundgesetz festgeschriebene Verteidigungsfähigkeit nicht
mehr als gegeben an. „Verteidigungsfähigkeit schließt nicht nur die
theoretische Möglichkeit, sondern auch die reale Befähigung zum zügigen
Aufwuchs von vorgeprägten zivilen und militärischen
Verteidigungsstrukturen“ mit ein, so Schrüfer weiter. An der momentanen
Ausgestaltung der Wehrpflicht sieht auch er starke Verbesserungsmöglichkeiten.
Zum einen sollten die Ausbildungspläne entfrachtet und zeitgemäße
Ausbildungsmethoden identifiziert werden, zum anderen bedarf es einer
Konkretisierung auf die militärische Grundausbildung.
Diskutiert man über die Zukunft
der Wehrpflicht darf auch ein weiterer Aspekt nicht zu kurz kommen, dem sich
die JU ebenfalls in gebührendem Maße widmen wollte. Der Zivildienst stellt
eine wichtige Stütze in unserem Gesundheitssystem dar, die nicht unterschätzt
werden darf. Einer Statistik des deutschen Bundestags zufolge leisteten 21,3%
aller Männer des Jahrgangs 1984 einen Zivildienst ab. Eine Verkürzung der
Wehrpflicht oder gar Aussetzung derselben hätte auch für unser
Gesundheitswesen erhebliche Konsequenzen. Um sich diese Auswirkungen
darstellen zu lassen, hatte die Junge Union Straubing Bogen den Kreisgeschäftsführer
des BRK Straubing-Bogen Herrn Jürgen Zschiedrich eingeladen. Der Referent
machte deutlich, dass bei einer Verkürzung des Zivildienstes in erster Linie
ergänzende Maßnahmen eingeschränkt werden müssten und nannte als Beispiel
die Freizeitaktivitäten mit Senioren. Darüber hinaus bedeutet eine
Reduzierung der Dienstzeit eine Verkürzung der Ausbildung und Einarbeitung,
was einen erheblichen Qualitätsverlust nach sich ziehen würde. Ferner zeigte
Zschiedrich der gespannten Zuhörerschaft auch Alternativen auf, die bei einem
Wegfall der Wehrpflicht, aber auch schon jetzt gefördert werden müssten.
Dahingehend bedarf das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) einer breiteren Unterstützung
oder auch die Einführung eines sozialen Jahres für alle jungen Erwachsenen
sei vorstellbar.
Als letzter Referent des Tages
nahm sich der 1. Bürgermeister der Stadt Bogen, Franz Schedlbauer Zeit für
die Junge Union, um von seinen Erfahrungen mit der Bundeswehr aus kommunaler
Sicht zu berichten. Seit Ende der 50er Jahre, als die Graf-Aswin-Kaserne
errichtet wurde, ist die Bundeswehr zu einem wichtigen Faktor der heimischen
Wirtschaft geworden. Als Beispiel nannte Schedlbauer die Aufträge für den
kleinen Bauunterhalt der Kaserne, die zumeist von Firmen aus der Region ausgeführt
wurden und dessen Investitionssumme 677.000 Euro betrug. Vor allem in Zeiten
der Wirtschaftskrise kristallisiert sich die Bundeswehr als zuverlässiger
Arbeitgeber heraus. Von der Errichtung der Garnison profitiere Bogen bis
heute, so der Bürgermeister weiter. Für den infrastrukturellen Ausbau der
Grafenstadt stellte das Bundesverteidigungsministerium seit Bestehen des
Standortes mehrere Millionen Euro zur Verfügung, so dass in erster Linie
Schulen, Kindergärten, Straßen, eine Kläranlage, sowie das Bogener Freibad
finanziert werden konnten. Dass die Bundeswehr gut in die Bevölkerung
eingebunden ist, zeigen nicht nur die Patenschaften der umliegenden Gemeinden
mit der Kompanie, sondern auch dass sich viele ehemalige Soldaten in Bogen
niederlassen. Im Falle der Aussetzung der Wehrpflicht müssten auch die Hälfte
der Bundeswehrstandorte geschlossen werden. Und auch wenn Bogen nicht
betroffen wäre, ginge mit dem Wegfall von 20% der Soldaten auch eine
erhebliche Kaufkraft aus der Region weg.
Traditionell stellte sich MdB
und CSU-Kreisvorsitzender Ernst Hinsken den Fragen der JU´lern. Zunächst
bedankte sich Hinsken für die gute Arbeit und das tolle Engagement, das die
JU bei den letzten Wahlkämpfen gezeigt hatte, forderte dann die junge Truppe
aber auf, „in einer Zeit ohne Wahlen die Weichenstellung für die
Zukunft vorzunehmen“, sich neu zu generieren, über sich selbst nachzudenken
und die momentane Lage als „Zeit der Zäsur“ zu verstehen. Die Menschen in
Deutschland würden darauf warten, dass etwas passiert. Werden sie enttäuscht,
besteht die Gefahr, dass sich die Politikverdrossenheit weiter in unserer
Gesellschaft breit macht. Diesem Negativtrend müsse man Einhalt gebieten,
betonte Hinsken und kam auf die aktuelle Situation nach 120 Tagen
schwarz-gelber Koalition zu sprechen. Viele Wähler seien unzufrieden, gar
verwirrt, wenn man eine Unterschrift unter einen Koalitionsvertrag setze, um
kurz darauf von ausgehandelten Zielen wieder den Rückzug antrete. Deutschland
habe die Finanz- und Wirtschaftskrise zwar am besten überwunden, die Politik
die gemacht worden ist, sei aber ganz deutlich zu Lasten der Jungen gemacht
worden. Um Jung und Alt ging es auch bei dem nächsten Thema, das Hinsken
angesprochen hat: die Gesundheitspolitik. In seinen Ausführungen legte er
dar, dass schon im Jahr 2035 über 50% der Bevölkerung das 50. Lebensjahr überschritten
haben werden und spätestens dann ein System, wie wir es heute haben nicht
mehr funktioniert. Deswegen müsse über Wege nachgedacht werden, wie das
Gesundheitssystem besser ausgestaltet werden kann. In puncto Energiepolitik
fand Hinsken klare Worte: es kann nicht sein, dass in Deutschland 17
Kernkraftwerke abgeschaltet werden sollen und unsere Nachbarländer neue
Atommeiler bauen. Dass in Zukunft zudem der Solarstrom eine größere Rolle
spielen wird, waren sich alle Klausurteilnehmer einig. Jedoch müssten einige
Änderungen vorgenommen werden, welche auch schon in Berlin beschlossen
wurden: Stopp der innovationshemmenden Überförderung durch Verringerung der
Einspeisevergütung, Ende der Errichtung der Solaranlagen auf Ackerflächen
und Begrenzung der maximalen Flächengröße. Vor dem Hintergrund des Urteils
des Bundesverfassungsgerichts zur Höhe der Hartz-IV-Sätze machte Hinsken
zwei Dinge deutlich. Erstens: Die Regierungskoalition wird das Gerichtsurteil
schnell umsetzen, sobald das geforderte Datenmaterial zur Neuberechnung
vorliegt. Und zweitens: Grundsätzlich muss gelten, dass Erwerbstätigen mehr
in der Tasche verbleibt als Empfängern von Sozialleistungen.
Bericht: Veronika Zitzelsberger,
03.03.2010.