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Bekommen wir noch genug Kinder? Auswirkungen der demografischen
Entwicklung auf die Zukunft außerhalb der Leistungszentren im Südosten
der Republik
Klausurtagung der
JU Straubing-Bogen in Gneissen |

MdL Josef Zellmeier (vorne, 5.v.l.) und MdB
Ernst Hinsken (vorne, 6.v.r.)
mit den Teilnehmern der JU-Klausurtagung in Gneißen
Straubing-Bogen. Letztes
Wochenende trafen sich die Mitglieder des JU Kreisverbandes Straubing-Bogen
zur Klausurtagung in Gneißen. Seit vielen Jahren wird in der Klausurtagung
ein Themenkomplex intensiv behandelt. Dieses Jahr beschäftigten sich die
JU-Mitglieder mit der Auswirkung der demografischen Entwicklung in
Niederbayern und im Landkreis Straubing-Bogen. Zu diesem Thema konnten als
Referenten der Landesvorsitzende der JU Bayern und Mitglied des Deutschen
Bundestages Stefan Müller aus Erlangen, der Forscher Christian Rester aus
Regensburg von der Forschungsstelle „Altern auf dem Lande“ des Hans Lindner
Instituts, der CSU-Kreisvorsitzende und MdB Ernst Hinsken aus Haibach, MdL
Josef Zellmeier, jugendpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion,
Vorsitzender der Enquete Kommission „Jung sein in Bayern“ und Vorsitzender
des Kreisjugendrings Straubing-Bogen aus Laberweinting und der Präsident der
Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz und Geschäftsführer der Prebeck GmbH,
Franz Prebeck aus Furth bei Bogen begrüßt werden.
Der JU-Landesvorsitzende
Stefan Müller betrachtete die Auswirkung der demografischen Entwicklung aus
der Sicht der Finanz- und Sozialpolitik. Da seit Jahrzehnten zu wenig Kinder
auf die Welt kommen und die Lebenserwartung der heute Geborenen im
Durchschnitt über 100 Jahre liegt, muss das soziale Sicherungssystem und die
Finanzpolitik an diese Entwicklung angepasst werden. Da die demografische
Pyramide langsam die Form eines Sarges annimmt, stellt sich die Frage, wie
auf diese Entwicklung reagiert werden kann. Der erste Schritt ist die
Umsetzung der Rente mit 67, da bei vielen durch längere Ausbildung (v.a.
Studienzeiten) und längere Lebenserwartung die Zeiträume, in denen
eingezahlt wird und die Zeiträume in denen Leistungen aus dem Rententopf
bezogen wird, sich stark verändern. Die private Vorsorge wird immer
wichtiger, ob als Anlage oder als Immobilie. Neben der Rentenkasse haben
auch die Krankenkassen mit diesem Problem zu kämpfen, denn die Ausgaben
steigen schneller als die Einnahmen und jede Kasse versucht, ohne
Zusatzbeitrag über das Jahr zu kommen. Auch vor den Finanzen macht die
Demografie nicht halt. Die vorhandenen Schulden und die in den nächsten
Jahren dazu kommen werden, müssen von immer weniger Leistungsträgern
zurückgezahlt werden. Gerade hier zeigt sich, dass verantwortungsvolle und
nachhaltige Politik heutzutage sehr von Bedeutung ist.
Der Forscher Christian Rester
vom Hans Lindner Institut beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem
Themenkomplex „Altern auf den Lande“ und sieht als großes Problem die
zerfallenden Strukturen, die eine Pflege durch die eigenen Kinder immer
unmöglicher macht, da Familien mit zwei vollarbeitenden Eltern eher die
Regel als die Ausnahme sind und es so immer schwieriger wird,
pflegebedürftige Verwandte im Kreis der Familie zu betreuen. Um einer
Heimunterbringung des pflegebedürftigen Angehörigen abzuwenden, wird oft auf
Pflegekräfte aus dem Osten Europas zurückgegriffen. Seine Idee wäre es,
rüstige Rentner zur persönlichen Betreuung Pflegebedürftiger heranzuziehen.
Ob das möglich sein wird muss sich letztlich erweisen.
MdB Ernst Hinsken aus Haibach
beleuchtete die Auswirkung, die der demografische Wandel auf seinen
Wahlkreis hat. Kleine Ortschaften werden immer mehr Opfer der Landflucht, da
junge Leute nicht selten berufsbedingt in Städte ziehen und nur selten
später in die Heimat zurückkehren. Die ärztliche Versorgung ist teilweise
vor Ort nicht mehr möglich, so dass der Weg zum Arzt immer länger wird. Wenn
die örtlichen Strukturen wie ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten,
Grundschule usw. nicht mehr vorhanden sind, wird es auch immer schwieriger,
neue Einwohner zu gewinnen und so eine Verjüngung der Dorfgemeinschaft zu
erreichen.
Am Abend betrachtete Josef
Zellmeier die Auswirkungen der Demographie auf das gesellschaftliche
Engagement. Freiwillige Feuerwehren haben in kleinen Orten oft das Problem
nicht genug aktive Mitglieder zu haben. Sportvereine müssen einzelne
Mannschaften im Verbund mit Nachbarsportvereinen organisieren, da bei einem
Spiel mindestens elf Spieler am Platz stehen müssen. Jugendgruppen haben
aufgrund der gesteigerten schulischen Belastung immer öfter mit
Mitgliederschwund zu kämpfen. Angesichts dieser Situation gelte es hier
anzusetzen und durch die Förderung des Ehrenamtes auch auf bürokratischer
Erleichterung zu setzen. In Zukunft wird eine Zusammenarbeit und Kooperation
über Gemeindegrenzen immer wichtiger. Insgesamt gesehen bezeichnete
Zellmeier die ehrenamtlichen Strukturen im Landkreis Straubing-Bogen noch
als äußerst gut und vielschichtig.
Die Auswirkung auf den
regionalen Arbeitsmarkt betrachtete am Sonntagmorgen der Unternehmer Franz
Prebeck, der neben seiner Eigenschaft als Unternehmer auch Präsident der
Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz ist. Die größten Probleme sieht er im
Fachkräftemangel, da die Gruppe im ausbildungsfähigen Alter (16 – 19
jährige) in 20 Jahren bis zu 33 Prozent kleiner sein wird als heute. Dazu
kommt, dass in der gleichen Zeit die Zahl der Erwerbsfähigen (19 – 60
jährige) um ca. 13 Prozent zurückgegangen sein wird. Ideen, wie die
Arbeitgeber auf diese Entwicklung reagieren können, werden aktuell
ausgearbeitet, um ein Ausbluten unserer Region hoffentlich zu verhindern.
Gerade die Handwerkskammer setzt hier auf ein Bündel von Maßnahmen, dass von
Bildung und Weiterbildung über organisatorische Aktionen bis hin zu mehr
Flexibilität im Erwerbsleben reicht.
Unser Vertreter im Deutschen
Bundestag, Ernst Hinsken aus Haibach beleuchtete in seinem Bericht aus
Berlin die Auswirkungen, die der demografische Wandel auf den ländlichen
Raum hat. Er berichtete von Landkreisen in Ostdeutschland, wo vor allem
Jüngere vermehrt in die Städte ziehen, um dort einen Arbeitsplatz zu finden.
Die Strukturen wie ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten und Bildung
werden im ländlichen Raum vernachlässigt. Um dem vorzubeugen, sei es
wichtig, als Region attraktiv und lebenswert zu bleiben, andererseits aber
auch Zukunftsperspektiven in Form von interessanten Arbeitsplätzen zu
bieten. Auch die Politik habe einen Beitrag hierzu zu leisten, so Hinsken.
Weiterhin ging der Abgeordnete
noch auf die aktuellen Themen in Japan, sowie den Krieg in Libyen und die
Euro-Krise ein. Er verwies darauf, dass Deutschland in hohem Maße vom Export
abhänge und dies auch in der Wirtschaftspolitik eine maßgebliche Rolle
spiele. In der Atomdiskussion forderte er eine europaweite Betrachtung, es
müsse auch darüber diskutiert werden, dass in Temelin ein Kernkraftwerk
stehe, wo wir bei einem etwaigen Unfall genauso betroffen wären, wie bei
Isar I. Er forderte nachhaltig einen EU-Sondergipfel mit allen Staats- und
Regierungschefs zur Diskussion dieser Thematiken.
Abschließend blieb zu sagen,
dass man sich eine Familie mit wenig oder keinen Kindern leisten können
muss, denn ein Lebensabend, der allein von den staatlichen Leistungen
finanziert werden soll, wird, wenn man seinen Lebensstandard halten will,
unmöglich werden.
Bericht und Foto: Martin
Haberl, Steinach.