|
Bildung und ländlicher Raum waren große Themen beim
JU-Dämmerschoppen in Oberalteich
Junge Union
informierte sich über die aktuelle Landespolitik |

Referent MdL Josef Zellmeier zusammen mit dem
JU-Ortsvorsitzendem Martin Komma (v.l.n.r.)
Oberalteich. (vz) Viele
interessierte Gäste konnte der Ortsvorsitzende der Jungen Union Oberalteich,
Martin Komma zum politischen Dämmerschoppen im Historischen Klosterwirtshaus
begrüßen. Als Referenten hatte sich die JU den Landtagsabgeordneten Josef
Zellmeier eingeladen, um Informationen über die aktuellen Themen im Land zu
erhalten.
In seiner Begrüßung machte
Martin Komma deutlich, dass derzeit mehrere Themen der jungen Generation auf
den Nägeln brennen. „Gibt es Schadensersatzklagen gegen Beteiligte an dem
Debakel um die Bayern- LB?“ war eine der Fragen, die Komma schon im Vorfeld
an den Abgeordneten richtete. Aber auch die Thematiken Zukunftsrat und
Bildung sprach der Ortsvorsitzende an. „Es sei unbestritten, dass wir auch
in Zukunft gute Bildung und gut ausgebildete Arbeitskräfte brauchen,“
postulierte Martin Komma und forderte weiter: „Es kann jedoch nicht sein,
dass eine Steigerung der Abiturientenquote durch Senkung des Niveaus
erreicht wird.“ Deutschland und insbesondere Bayern muss das Niveau seiner
Bildung halten. Es kommt nicht nur auf die Quantität der Schul- und
Studienabgänger an, sondern auch auf die Qualität. Bezüglich des
Zukunftsrats wurde die Frage gestellt, welche Initiativen getroffen werden
können, um Unternehmen im ländlichen Raum zu halten, beziehungsweise
anzulocken und so den ländlichen Raum weiter zu stärken.
Der Landtagsabgeordnete Josef
Zellmeier bedankte sich für das rege politische Interesse für die
Landespolitik, welches sich durch die aufgeworfenen Fragen bereits
abzeichnete. Die Bayern-LB habe im letzten Jahr einen Überschuss von 800
Mio. Euro verzeichnen können und stehe auch in diesem Geschäftsjahr wieder
gut da, bilanzierte Zellmeier, Mitglied der Kommission Bayern- LB. Darüber
hinaus sind viele Auslandsfilialen schon geschlossen worden und die Bayern-
LB ist wieder eindeutig am Mittelstand orientiert. Zellmeier resümierte,
dass in der Vergangenheit vieles bei der Bayern-LB schief gelaufen ist. Wie
viele der Vorstände jedoch für diese Misswirtschaft haftbar gemacht werden
können, ist derzeit noch offen.
Bezüglich des viel
gescholtenen Zukunftsrats klärte Zellmeier auf: Es heißt nicht, dass der
ländliche Raum überhaupt nicht gefördert werde, sondern nur, dass die
Förderung vom Abstand zu einem Leistungszentrum abhänge. Für Niederbayern
bedeutet dies konkret, dass der Raum selbst nur in Abhängigkeit zu einem
Leistungszentrum wie Regensburg oder München definiert ist. Als Schwächung
für den ländlichen Raum sei vor allem der demographische Wandel anzusehen.
Wegzüge aus dem ländlichen Raum hat es schon immer gegeben. Seit kurzem
kommt jedoch hinzu, dass die Anzahl der Menschen mit höherem
Bildungsabschluss viel stärker wächst, als Arbeitsplätze in diesen Bereichen
im ländlichen Raum angeboten werden. Deshalb werde versucht, verschiedene
Behördenstellen im höheren und gehobenen öffentlichen Dienst auszulagern,
wie dies teilweise bereits mit dem Finanzamt München II in Straubing
geschehen ist. Wegen der Bundeswehrreform seien diese Vorhaben derzeit
jedoch auf Eis gelegt worden.
Eine weitere Chance
hochqualifizierte Arbeitskräfte im ländlichen Raum zu halten, erfolge über
die Erweiterung beziehungsweise Auslagerung der Universitäten und
Fachhochschulen. Dabei stellte Zellmeier jedoch klar heraus, dass es keine
neue TU in Niederbayern geben werde. Straubing, als einzige kreisfreie Stadt
ohne Hochschule müsse jedoch bei einer weiteren Auslagerung von Instituten
berücksichtigt werden. „Es wäre ein Schlag ins Gesicht für die ganze Region,
wenn etwas nach Niederbayern kommt und Straubing leer ausgeht“ bekräftigte
Zellmeier. Da auch Oberfranken im Rennen um einen Hochschulstandort sei,
brauche Straubing ein gutes Konzept, das die Prüfung besteht. Dieses Konzept
müsse Straubing als gleichberechtigten Partner mit anderen Städten sehen und
ganz Niederbayern umfassen. Bei einem niederbayern-internen Streit könnte
Oberfranken als lachender Dritter das Rennen für sich entscheiden, warnte
der Landtagsabgeordnete.
Von einer Senkung des
Bildungsniveaus könne in Bayern noch nicht die Rede sein, bemerkte
Zellmeier. Eine Verschärfung der Übertrittsbedingungen werde es allerdings
mit der FDP nicht geben, zumal der Koalitionspartner der Meinung ist, dass
eigentlich nur der Elternwille zählen sollte. Vergessen werden darf dabei
nicht, dass bereits heute mehr als vierzig Prozent der
Hochschulzugangsberechtigten kein Abitur haben. Der Weg über die berufliche
Bildung zur Hochschule sei bei den Eltern noch nicht anerkannt. Erhalte der
Weg über die Ausbildung oder andere weiterführende Schulen mehr Akzeptanz,
werde sich auch der Druck auf die Gymnasien wieder verringern. Zumal in
Bayern mit der Mittelschule und der Realschule zwei sehr gute Schularten zur
Verfügung stehen.
Josef Zellmeier informierte,
dass vor kurzem der Doppelhaushalt 2011/2012 verabschiedet worden sei. Ein
Schwerpunkt liegt dabei auf den Bereichen Familie, Bildung und Innovationen.
Trotz höherer Ausgaben in diesem Bereich, seien auch Sparmaßnahmen in Höhe
von 1,1 Mrd. Euro geplant, die insbesondere auch den öffentlichen Dienst
betreffen. Die Personalausgaben in diesem Sektor betragen immerhin 42% der
gesamten Ausgaben des Landes Bayern, so dass bei Sparmaßnahmen auch der
Bereich des öffentlichen Dienstes nicht ausgespart bleiben könne. Demnach
sind 2011 keine Gehaltserhöhungen vorgesehen. Zudem werden Berufseinsteiger
für zwei Jahre eine Stufe niedriger eingestuft. Entgegengekommen sei man den
Bediensteten des öffentlichen Dienstes hingegen mit der Stundenabsenkung von
42 auf 40 Stunden. Darüber hinaus hat Bayern, im Gegensatz zu anderen
Bundesländern, keine Kürzungen des Weihnachtsgelds vorgenommen.
Großes Interesse bei den
jungen Zuhörern erweckte vor allem das Thema „Rente mit 67“. Die gestiegene
Lebenserwartung und die Tatsache, dass immer weniger junge Arbeitnehmer für
die ältere Generation zahlen müssen, macht eine längere Lebensarbeitszeit
unabdingbar. Die Forderung nach mehr ausländischen Fachkräften um deutsche
Defizite auszugleichen hält Zellmeier nicht für richtig. Eine derartige
Vorgehensweise würde über kurz oder lang zum sozialen Sprengstoff.
Zur Diskussion stand am
Schluss auch die Energiepolitik. Die Frage aus dem Publikum, warum nicht
stärker auf die Windenergie gesetzt werde, da sie weitaus wirtschaftlicher
ist als die Energie durch Photovoltaikanlagen beantworteten Zellmeier und
der Bogener Bürgermeister Schedlbauer damit, dass der Widerstand der
Anwohner gegen Windräder immer noch sehr groß sei. Zudem, so Schedlbauer,
müsse ein Windrad landschaftsverträglich sein.
Am Ende bedankte sich der
JU-Ortsvorsitzende Martin Komma beim Abgeordneten Zellmeier für die
Informationen aus dem Landtag und bei den anwesenden Mitgliedern und
Interessierten für die umfangreiche Diskussion.
Bericht und Foto: Veronika
Zitzelsberger.